10„Mit Löwen, Schlangen und Kräutern auf Expedition". 

 

Das Rauschen der Blätter durchdringt den Wald rund um den Brinksknappteich in der Haard. Die letzten Libellen schwirren in der wärmenden Herbstsonne um die verblühten Pflanzenstile. Das Trompeten der Kraniche kündet den nahenden Winter an. Die Teilnehmer der Wanderung schließen die Augen und nehmen achtsam die Geräusche ihrer Umgebung wahr. Stressgeplagte bauen ihre Unruhe ab und kommen im Hier und Jetzt an.

Wer mit den Naturparkführern Hohe Mark im gleichnamigen Naturpark unterwegs ist, kann sich sicher sein, solchen Erlebnissen der besonderen Art, die unvergessene Momente bescheren, zu begegnen.

Im November ständen die Feierlichkeiten zum zehnjährigen Jubiläum des noch jungen Vereins an, die aufgrund der Corona-Krise abgesagt wurden und wahrscheinlich im Frühsommer nachgeholt werden. Dennoch blicken die Mitglieder auf eine ereignisreiche Zeit zurück. Auf zahlreichen Exkursionen informieren sie Wissbegierige über die heimische Natur. Sie sind zertifizierte Natur- und Landschaftsführer, Wald- und Kräuterpädagogen, eben Experten ihres Faches, und laden Naturfreunde auf Streifzüge durch den Naturpark Hohe Mark, das Vest Recklinghausen und das Münsterland ein. Dabei lassen sie das geologische Zeitalter, menschliche Kulturen und die Flora und Fauna lebendig werden, die in den Baumbergen im Norden des Naturparks und in den naturnahen Lippe- und Steverauen zwischen Olfen und Dorsten auf ihre Entdeckung warten.

Wer gut zuhört, erfährt, dass sich in der Westruper Heide Löwen auf die Lauer legen, Schlangen ihr Unwesen treiben und Nachfahren der Dinosaurier umherstreifen.

In der Haard lenkte im Zweiten Weltkrieg eine Scheinzeche die Aufmerksamkeit der alliierten Bomber auf sich, um die Industrieanlagen des Ruhrgebiets vor den Angriffen zu schützen.

Wollgras, Sonnentau und Amphibien finden im Burlo-Vardingholter Venn an der niederländischen Grenze letzte Rückzugsräume.

In der Dingdener Heide im äußersten Westen des Naturparks wurden historische Formen der bäuerlichen Kulturlandschaft rekonstruiert und lassen sich durch sogenannte Zeitfenster erleben.

In der Üfter Mark nordwestlich von Dorsten streifen Rothirsche durch dieses Naturerlebnisgebiet und bieten bei der Hirschbrunft im Frühherbst durch ihr Röhren auf der Suche nach den Kühen ein fantastisches Schauspiel.

Kräuterpädagogen präsentieren die Geheimnisse wilder Früchte und zeigen die richtige Zubereitung und die Wirkung von Heilpflanzen auf die Gesundheit. Fledermäuse, Schmetterlinge, Orchideen und Eisvogel begeistern Neugierige, die auf Fahrradsafaris, Wanderungen, Exkursionen und Femgerichtsverhandlungen Geheimnisse entdecken und sich auf spannende Mythen und unheimliche Begegnungen einstellen können.

Eine Gemeinsamkeit verbindet die Naturparkführer: Sie lieben die Natur und geben ihr Wissen mit Freude an andere weiter. Sie entfachen einen Funken, der auf die Teilnehmer überspringt.

Als die Natur- und Umweltschutzakademie (NUA) und die Volkshochschule Recklinghausen im Jahre 2009 Interessierte aus allen Sparten des täglichen Lebens suchten, die als Natur- und Landschaftsführer den Menschen im Naturpark Hohe Mark/Westmünsterland die Geheimnisse und Besonderheiten der Natur näherbringen, wurden ca. zwanzig Bewerber ausgewählt, die den Kurs erfolgreich absolvierten.

Mit der Gründung des Vereins im Jahre 2010 stellten die Mitglieder ihr Engagement und ihren Einsatz auf eine neue Ebene und haben ihren Bekanntheitskreis weiter ausgebaut. Aus mehreren Lehrgängen auf dem Gebiet des Naturparks stießen neue Mitstreiter und gleichwertig Qualifizierte dazu, so dass der Stamm auf ca. 50 Mitglieder angewachsen ist, die auch Heidebauern erzählen lassen und mit Naturfreunden die Halden erforschen.

„In der Anfangszeit zwischen Erwerb des Zertifikats und der Vereinsgründung brauchten wir schon einen langen Atem, um alle Formalitäten und Voraussetzung für die Gründung eines znlVereins zu erfüllen“, erinnert sich Arne Berg, der sich seit zehn Jahren als Aktivposten einbringt. Seit Beginn an leitet Arno Straßmann als Vorsitzender die Geschicke des Vereins. „Wir möchten den Menschen die wundervolle Natur in unserer Umgebung näherbringen“, so Arno Straßmann.

Den Verein zeichnet das freundschaftliche Miteinander und das breite Fundament an unterschiedlichen Angeboten aus. Fast jedes Thema und Naturerlebnisgebiet wird durch spannende und passend zugeschnittene Formate abgedeckt. Gehen zielgerichtete Anfragen an, werden diese sofort an das Mitglied weitergereicht, das sich auf ein bestimmtes Thema spezialisiert hat. So kann das hohe Niveau garantiert werden.

Damit die Naturparkführer selbst immer gut informiert sind, nehmen sie regelmäßig an Fortbildungen teil, um das Gelernte in ihre eigenen Exkursionen einzubauen und das Wissen weiterzutragen. Vor kurzem ließen sie sich durch eine Pilzberaterin die Geheimnisse und Besonderheiten der zwischen Tieren und Pflanzen stehenden Lebewesen erklären. Wer eine Veranstaltung besucht hat, sieht die Natur in seiner Umgebung mit anderen Augen. „Wir möchten die Sinne für die kleinen Besonderheiten schärfen“, so Straßmann weiter.